Der Stichtag rückt näher
Ab dem 27. September 2026 gelten neue Informationspflichten für Online-Shops in Deutschland und der EU. Betroffen sind Händler, die Waren an Verbraucher verkaufen – egal ob neu oder gebraucht. Die neuen Garantie- und Gewährleistungs-Label sollen Kunden künftig deutlicher informieren: über ihre gesetzlichen Gewährleistungsrechte und, unter bestimmten Voraussetzungen, über freiwillige Haltbarkeitsgarantien des Herstellers.
Das Besondere: Diese Kennzeichnungen sind nicht optional und auch nicht frei gestaltbar. Die EU schreibt Form, Farben und Inhalte vor – und im Online-Handel müssen sie farbig dargestellt werden, nicht nur im Kleingedruckten. Für Shop-Betreiber stellt sich deshalb nicht nur die Frage, welche Labels für die Produkte gelten, sondern auch, wo und wie sie technisch im Bestellprozess eingebunden werden müssen.
Wer jetzt anfängt zu planen, hat bis September noch Zeit. Wer wartet, bis der Stichtag unmittelbar bevorsteht, riskiert technische Pannen oder Compliance-Lücken.

Die zwei Kennzeichnungen: Unterschiede und Anforderungen
Die neuen Vorgaben basieren auf der EU-Richtlinie 2024/825 (EmpCo-Richtlinie), in Deutschland umgesetzt in Art. 246 Abs. 1 Nr. 5 und 5a EGBGB. Sie führen zwei einheitliche Label ein, die oft verwechselt werden – aber völlig unterschiedliche Zwecke erfüllen.
Das Gewährleistungs-Label: Für fast jeden Online-Shop relevant
Das Gewährleistungs-Label informiert Verbraucher über ihre gesetzlichen Gewährleistungsrechte bei mangelhafter Ware. Die Informationspflicht betrifft grundsätzlich jeden Händler, der bewegliche körperliche Waren an Verbraucher verkauft.
Das umfasst:
- Neue Waren jeglicher Art (Elektronik, Möbel, Kleidung, …)
- Waren mit digitalen Elementen wie Smartwatches, vernetzte Haushaltsgeräte oder Fitness-Tracker
- Gebrauchtwaren (auch diese unterliegen der Gewährleistungspflicht)
Nicht davon betroffen:
- Reine digitale Inhalte (E-Books, Software, digitale Dienstleistungen)
- Digitale Dienste ohne Waren-Komponente
Das Label selbst ist von der EU vorgegeben – Farben, Inhalte und Layout dürfen nicht beliebig an das eigene Shop-Design angepasst werden. Bei Online-Verträgen muss es in Farbe dargestellt werden.
Das Garantie-Label: Nur bei bestimmten Herstellergarantien
Das Garantie-Label ist deutlich spezialisierter. Es kommt nur zum Einsatz, wenn der Hersteller freiwillig eine kostenlose Haltbarkeitsgarantie von mehr als zwei Jahren auf die gesamte Ware gewährt.
Wichtig: Folgende Garantieformen zählen NICHT dazu:
- Zufriedenheits- oder Geld-zurück-Garantien
- Garantien, die nur einzelne Bauteile abdecken (z. B. nur Motor oder Display)
- Garantien, die zeitlich begrenzt sind oder an Bedingungen geknüpft sind
Für Shop-Betreiber entscheidend: Ihr müsst nicht selbst nach Herstellergarantien recherchieren. Es genügt, dass der Hersteller die Informationen zur Verfügung stellt. Wer als Hersteller keine Garantie anbietet, muss auch kein Garantie-Label verwenden.
Das Garantie-Label enthält produktspezifische Angaben:
- Marke/Hersteller
- Modellkennung
- Garantiedauer
- QR-Code zur Garantie-Information
Auch dieses Label muss farbig dargestellt werden und kann optional in einem „geschachtelten Format“ ausgegeben werden (erst eine kompakte Ansicht, dann per Klick das vollständige Label).

Wo gehören diese Labels hin – und da liegt die Tücke
Die Anforderungen für die Platzierung unterscheiden sich erheblich je nach Label-Typ.
Gewährleistungs-Label: Allgemeine Information vor Vertragsabschluss
Das Gewährleistungs-Label ist eine allgemeine Kundeninformation – es muss nicht auf jeder einzelnen Produktseite wiederholt werden. Entscheidend ist nur, dass Verbraucher vor Abschluss des Kaufvertrags deutlich informiert werden.
Hier gibt es allerdings unterschiedliche rechtliche Einschätzungen:
- Die IHK Köln hält einen allgemeinen Hinweis auf der Website plus Verlinkung in der Fußzeile für ausreichend
- Andere Stimmen fordern eine unmittelbarere Darstellung, etwa im Checkout-Prozess oder auf jeder Produktseite
Unser Rat: Welche Platzierung in deinem konkreten Shop rechtlich sicher ist, sollte vor der technischen Umsetzung mit qualifizierter Rechtsberatung geklärt werden. Das erspart später Ärger.
Nach dem Kauf: Zusätzlich müssen Kunden die Information nach Vertragsabschluss auf einem dauerhaften Datenträger erhalten – im Online-Handel ideal über die Bestätigungs-E-Mail.
Garantie-Label: Produktspezifisch, mehrfach ausgegeben
Das Garantie-Label ist deutlich aufwändiger, weil es sich direkt auf ein bestimmtes Produkt bezieht und mehrfach in den Bestellprozess eingebunden werden muss.
Ausgabe-Orte des Garantie-Labels:
- Auf der Produktseite (innerhalb der Produktbeschreibung, als eigenes Bild in der Galerie oder in geschachteltem Format)
- Im Warenkorb (als Erinnerung, welche Produkte Garantie haben)
- Im Checkout (Informationen vor dem Kauf)
- In der Bestätigungs-E-Mail (nach dem Kauf)
Bei einem Shop mit vielen Produkten wird das schnell komplex: Jedes betroffene Produkt muss mit den richtigen Hersteller-, Modell- und Garantie-Informationen verknüpft sein – und das Label muss an allen diesen Orten korrekt ausgegeben werden.
Technische Umsetzung in WooCommerce: German Market und Germanized
Für WooCommerce-Shops gibt es gute Nachrichten: Die Erweiterungen German Market und Germanized arbeiten bereits an oder unterstützen schon die neuen Kennzeichnungen.
German Market – bietet bereits Funktionen für die neuen Vorgaben:
- Ausgabe der Gewährleistungs-Label im Bestellprozess und in Kunden-E-Mails
- Hinterlegung produktspezifischer Angaben für Garantie-Label
- Automatische Formatierung nach EU-Vorgaben
Germanized – unterstützt die neuen Kennzeichnungen seit Version 4.1.1 (September 2026):
- Ausgabe der Gewährleistungs- und Garantie-Label im Bestellprozess
- Produktionsreif und aktuell verfügbar
- Ältere Versionen bieten diese Features möglicherweise noch nicht
Wichtig: Welche Möglichkeiten deine Installation bietet, sollte vor der Umsetzung mit der aktuellen Plugin-Dokumentation abgeglichen werden.
Der wichtigste Punkt: Es geht um mehr als nur das Plugin
Die bloße Installation eines Plugins reicht nicht. Das verwendete Theme, zusätzliche Plugins und individuelle WooCommerce-Anpassungen beeinflussen, wie die Kennzeichnungen tatsächlich dargestellt werden – auf Produktseiten, im Warenkorb, an der Kasse und in E-Mails.
Besonders bei individuell angepassten Shops empfehlen wir:
- Die Umsetzung zunächst in einer Staging- oder Testumgebung durchzuführen
- Den kompletten Bestellprozess zu testen – nicht nur kurz überprüfen, ob irgendwo ein Label sichtbar ist
- Bei mehrsprachigen Shops die Sprachversionen zu kontrollieren
- Die Barrierefreiheit im Checkout mitzudenken
Checkliste: Das sollte bis 27. September erledigt sein
1. Klären: Welche Labels sind relevant?
- Verkaufe ich körperliche Waren an Verbraucher? → Gewährleistungs-Label wahrscheinlich relevant
- Biete ich Waren mit digitalen Elementen an? (z. B. Smart-Home, Wearables)
- Verkaufe ich auch Gebrauchtwaren?
- Gibt es Herstellergarantien (>2 Jahre, auf gesamte Ware)? → Garantie-Label relevant
- Falls ja: Liegen mir von den Herstellern die genauen Informationen vor? (Marke, Modell, Dauer)
2. Prüfen: Technische Machbarkeit
- Welche Shop-Lösung nutze ich? (WooCommerce, Shopify, Eigenlösung?)
- Bei WooCommerce: Welche Version von German Market oder Germanized läuft?
- Welche Funktionen für die neuen Labels sind bereits vorhanden?
- Ist ein Plugin-Update erforderlich?
3. Platzierung klären (rechtlich)
- Gewährleistungs-Label: Mit Rechtsberatung abstimmen, wo es im Shop sichtbar sein soll
- Garantie-Label: Welche Produkte sind betroffen?
4. Testen – der komplette Workflow
- Label-Ausgabe auf der Produktseite
- Label-Ausgabe im Warenkorb
- Label-Ausgabe im Checkout
- Label-Ausgabe in der Bestätigungs-E-Mail
- Bei mehrsprachigen Shops: Alle Sprachversionen testen
- Barrierefreiheit prüfen (Screenreader, Kontraste)
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ja – wenn du Waren an Verbraucher verkaufst, bist du grundsätzlich Unternehmer in diesem Sinne. Das Label muss ausgegeben werden, unabhängig davon, ob du selbst Hersteller bist.
Du brauchst nicht aktiv zu recherchieren. Es reicht, dass der Hersteller dir die Informationen bereitstellt. Falls nicht – kein Garantie-Label nötig.
Das hängt von der rechtlichen Einschätzung ab und sollte mit Rechtsberatung geklärt werden. Sicher ist: „Irgendwo klein verlinkt“ genügt wahrscheinlich nicht.
Die EU-Vorlagen sind grundsätzlich so gestaltet, dass sie barrierefrei sein können – aber die technische Umsetzung im Shop entscheidet. Achte auf Alt-Texte, Kontraste und die Lesbarkeit für Screenreader.
Was wir bei der technischen Umsetzung machen
Für WooCommerce-Shops übernehmen wir gerne die technische Seite:
- Funktionen einrichten: German Market oder Germanized aktivieren und konfigurieren
- Label-Ausgabe aufbauen: Gewährleistungs- und Garantie-Label an den richtigen Stellen ausgeben
- Kompletten Bestellprozess testen: Produktseite, Warenkorb, Kasse, E-Mail-Bestätigung
- Mehrsprachigkeit und Barrierefreiheit: Falls relevant
- Staging testen vor dem Go-Live: Kein Risiko für die produktive Website
Kontaktiert uns – wir sagen euch, welcher Aufwand bei eurer Website konkret anfällt und wie wir euch unterstützen können.
Wichtiger Hinweis: Rechtsberatung bleibt notwendig
WP Wartung24 bietet keine Rechtsberatung an. Ob und welche Labels in deinem konkreten Fall vorgeschrieben sind, welche Platzierung rechtlich ausreicht, oder ob zusätzliche Informationspflichten bestehen – diese Fragen muss eine qualifizierte Rechtsberatung klären. Die Anforderungen können je nach Produktkategorie, Geschäftsmodell und Länder-Kombination unterschiedlich sein.
Unser Part: Sobald die rechtlichen Anforderungen feststehen, unterstützen wir euch gerne bei der technischen Umsetzung und beim sorgfältigen Testen auf eurer Website.
Fazit
Die neuen Garantie- und Gewährleistungs-Label ab dem 27. September 2026 sind überschaubar – solange zwei Dinge klar sind: welches Label für welches Produkt und an welcher Stelle es ausgegeben werden muss.
Die technische Umsetzung in WooCommerce ist machbar und wird durch Plugins wie German Market und Germanized unterstützt. Der größte Aufwand liegt in der sauberen, produktbezogenen Datenhaltung beim Garantie-Label und im sorgfältigen Durchtest des gesamten Bestellprozesses.
Der Stichtag kommt. Wer jetzt anfängt, schafft’s locker. Du brauchst Hilfe bei der Umsetzung? Kontaktiere uns